„Unsere ganze Liebe, unser ganzes Unglück“

Zu Beginn des Jahres 1833, als der einundzwanzigjährige Franz Liszt bei einer Soiree spielte, befand sich unter den Gästen eine der elegantesten Erscheinungen der Pariser Gesellschaft: Marie d’Agoult. Die Tochter des Grafen Maurice de Flavigny und Enkelin des Bankiers Moritz Bethmann wurde 1805 in Frankfurt am Main geboren. Sie ging 1827 in Paris eine Standesehe mit dem fünfzehn Jahre älteren Grafen Charles d’Agoult ein, mit dem sie zwei Kinder hatte.

Ein Programm zu Marie d’Agoult und Franz Liszt

 
Zu Beginn des Jahres 1833, als der einundzwanzigjährige Franz Liszt bei einer Soiree spielte, befand sich unter den Gästen eine der elegantesten Erscheinungen der Pariser Gesellschaft: Marie d’Agoult. Die Tochter des Grafen Maurice de Flavigny und Enkelin des Bankiers Moritz Bethmann wurde 1805 in Frankfurt am Main geboren. Sie ging 1827 in Paris eine Standesehe mit dem fünfzehn Jahre älteren Grafen Charles d’Agoult ein, mit dem sie zwei Kinder hatte. Die Ehe war nicht glücklich, aber man hatte sich arrangiert, und die Gräfin hatte völlige Freiheit, ihren intellektuellen Interessen nachzugehen. Sie eröffnete ihren eigenen Salon, in dem literarische Lesungen stattfanden. An dem Schaffen der jungen Dichter wie Balzac, Hugo, Mérimée, de Vigny, Sue, de Musset oder Dumas nahm sie lebhaften Anteil. Ihr Salon wurde in kurzer Zeit einer der am meisten besuchten. 1830 erwarb sie den Landsitz Croissy in der östlichen Vorstadt von Paris, wo sie abendliche Konzerte und Theateraufführungen veranstaltete. Marie d’Agoults betörende Schönheit, ihr Geschmack, ihre Klugheit fanden viele Bewunderer. Für Liszt sollte die Beziehung zu der sechs Jahre älteren Gräfin zur ersten erfüllten Liebe seines Lebens werden.

In den Pariser Salons galt Maries Liebesbeziehung zu Liszt als Skandal. Vor dem gesellschaftlichen Druck flohen die beiden in die Schweiz. In Genf wurde beider Tochter Blandine geboren, am Comer See Cosima, die später Richard Wagner heiraten sollte. Als drittes Kind kam 1839 in Rom schließlich noch Sohn Daniel zur Welt. Diese Wanderjahre durch die Schweiz und Italien regten Liszt zum Klavierzyklus „Années de Pélerinage“ an. In dieser Zeit ermuntert Liszt Marie auch zu eigenen literarischen Versuchen. Unter dem Pseudonym Daniel Stern, findet sie später im historischen, politischen und philosophischen Bereich ihren weiteren Weg als durchaus erfolgreiche Schriftstellerin.

Diese Jahre wurden aber auch durch häufige Phasen der Trennung überschattet. Liszt brach immer öfter zu ausgedehnten Konzertreisen auf, und so entstand ein umfangreicher Briefwechsel zwischen beiden Liebenden, der sowohl ihre innige Beziehung als auch ihr zerrinnendes Glück dokumentiert.

Unter dem Motto „Unsere ganze Liebe, unser ganzes Unglück“ gestalten die Schauspielerin Corinna Harfouch und die Pianistin Hideyo Harada ein musikalisch-literarisches Programm, welches sich dem Paar Liszt – d’Agoult widmet. Lesungen aus Maries Memoiren, dem Briefwechsel zwischen ihr und Liszt sowie Dokumenten von Zeitgenossen werden dabei mit Auszügen aus den „Années de Pélerinage“ und anderen Klavierwerken des Komponisten verflochten. So verbinden sich Wort und Ton zu tiefgründigen Einblicken in eine der großen Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts.