„O Asia, das Echo von dir“

Ein Programm zu Ludwig van Beethoven und Friedrich Hölderlin

 
Ludwig van Beethoven und Friedrich Hölderlin: 1770 erblicken sie beide das Licht der Welt. Doch es verbindet sie weit mehr als nur eine Jahreszahl. Sie haben Werke von eruptiver Kraft geschaffen, haben Grenzen überwunden und Konventionen gesprengt. Hölderlins ekstatische Lyrik und Beethovens subjektive Klangsprache waren in der Lage, die Zeitgenossen zu verstören. Auf der Suche nach der Verwirklichung humanistischer Ideale verfolgen sie begeistert die Französische Revolution und sind gleichermaßen tief enttäuscht von deren Ausgang. Es folgt für beide die Suche nach anderen Strömungen, in denen sie ihre humanistischen Ideale verwirklicht finden können. Beider Sehnsuchtsort ist der Orient. Im 21. Jahrhundert ist Beethovens und Hölderlins gemeinsamer gedanklicher Horizont aktueller denn je – ihre Hinwendung zur Welt, der sich abzeichnende Dialog der Kulturen und nicht zuletzt ihre Auseinandersetzung mit geistigen Konzepten, die den Menschen in den Fokus stellen und religiöse Dogmen weit hinter sich lassen.

Ausgehend vom Doppeljubiläum Beethovens und Hölderlins im Jahr 2020, haben Corinna Harfouch und Hideyo Harada beider Gemeinsamkeiten sowie unentdeckten Seiten nachgespürt. Hinter Worten und Tönen sind sie auf überraschende Verbindungslinien zwischen Kunst und Leben dieser herausragenden Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts gestoßen. Ihre Interessen, ihre Ausdrucksmittel, ihre Vorlieben, ihre Prägungen, ja selbst ihr (geheimes) Liebesleben geben zahllose Gemeinsamkeiten preis. Eine Textcollage aus Gedichten, Hymnen und Elegien Hölderlins, Auszügen aus dessen Roman Hyperion sowie philosophischen Betrachtungen der griechischen Antike trifft auf musikalische Werke des Wiener Klassikers. Eng verknüpfen sich dabei Wort und Ton, gehen ineinander über oder auseinander hervor. Auch darstellerische Elemente werden mit einbezogen. All dies wächst zu einem außergewöhnlichen Programm zusammen, das weit über das übliche Format der musikalisch-literarischen Lesung hinausgeht und ein lebendiges Bild zweier überragender Künstler zeichnet.